Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Freund:innen des Projektes!
Seit mittlerweile fünf Jahren erscheint im Libertad Verlag unsere undogmatisch-libertäre Zeitschrift espero regelmäßig in einer Sommer- und Winterausgabe – als Open-Access-Publikation –, und wir freuen uns nicht nur über eine stetig wachsende Zahl engagierter Leser:innen, sondern auch über die Vergrößerung unseres Redaktionsteams. Wir möchten Lena, Leon und Lisa herzlich an Bord der espero begrüßen, die das Projekt seit einigen Monaten unterstützen und an unserer neuen Sommerausgabe, espero Nr. 11, mitgewirkt haben.
Im Fokus der neuen Ausgabe steht das Thema Anarchismus und Künstliche Intelligenz – ein Thema, das angesichts der rasanten technologischen Entwicklung und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen existenzielle Fragen für die Menschheit aufwirft. Was kann eine libertäre Kritik der gegenwärtigen KI-Entwicklung leisten? Welche Alternativen lassen sich denken – jenseits der Kontrolle durch Tech-Oligarchen, aber auch jenseits kulturpessimistischer Technikfeindlichkeit?

- Jochen Schmück untersucht die Wechselwirkung zwischen natürlicher und Künstlicher Intelligenz und zeigt, dass anarchistische Prinzipien wie Dezentralisierung, Selbstorganisation und kollektive Entscheidungsfindung der kritischen KI-Forschung Impulse geben können – für ein herrschaftsfreies Zusammenspiel von menschlicher und maschineller Intelligenz jenseits oligarchischer Kontrolle.
- Catherine Malabou, eine der profiliertesten Stimmen der Gegenwartsphilosophie, unterscheidet zwei Szenarien des Kontrollverlustes durch KI: die dystopische Maschinenherrschaft und eine emanzipatorische Vision – den freiwilligen Verzicht auf individualistische Macht zugunsten einer symbiotischen Beziehung zwischen Mensch und Maschine.
- Der US-amerikanische KI-Forscher William Agnew entwickelt eine radikale KI-Ethik, die anarchistische Prinzipien mit der modernen KI-Technologie verbindet. Ziel ist der Abbau hierarchischer Strukturen und die Dezentralisierung von Kontrolle.
- Die TechnoAnarchists fordern schließlich dazu auf, die Künstliche Intelligenz zu hacken, um sie als Open-Source-KI für Selbstorganisation, Commons, Kooperation und nachhaltiges Leben zu nutzen.
Daneben gibt es in der neuen Sommerausgabe der espero eine Reihe von Beiträgen zu weiteren Themen:
- Tomás Ibáñez erinnert in seinem Gast-Essay an das legendäre Internationale Anarchistische Treffen 1984 in Venedig und an die Möglichkeiten, die Anarchie im Hier und Jetzt zu leben (Gibt’s auch als Podcast, siehe Info dazu unten).
- Fredrik Fuß analysiert das schwierige Verhältnis von Anarchismus, Judentum und Antisemitismus, und er zeigt, wie sich Ideale und Abgründe selbst in progressiven Strömungen durchdringen.
- David Bernardini beschäftigt sich mit den libertären Faschismus-Analysen von Rudolf Rocker und Gerhard Wartenberg, die erkenntnisreiche Einblicke in die Mechanismen von Populismus und Radikalisierung zur Zeit der Weimarer Republik gewähren.
- Olaf Briese verfolgt die Rezeption Proudhons im 19. Jahrhundert und die Rolle der Trier’schen Zeitung, die als erste sozialistische Tageszeitung den „libertären Sozialismus“ im deutschen Sprachraum bekannt machte.
- In einer Zeit, in der das Vertrauen in repräsentative Demokratien schwindet und autokratische Systeme erstarken, stellt Siegbert Wolf mit dem Konzept der „Demarchie“ ein interessantes libertäres Alternativmodell vor.
- P. M. (Hans Widmer) entwirft schließlich in einem imaginären „sozialtherapeutischen Beratungsgespräch“ einen Zehnjahresplan zur Transformation unseres Planeten. Seine Botschaft: Nur ein Bruch mit dem Tauschprinzip und eine solidarische Geben-und-Nehmen-Kultur sichern langfristig unser Überleben.
Ergänzt wird die neue Sommerausgabe der espero durch aktuelle Buchempfehlungen und redaktionelle Mitteilungen.
Wir wünschen Euch eine anregende Lektüre und einen schönen Sommer!
Euer espero-Redaktionsteam
Jochen, Knobi, Lena, Leon, Lisa, Markus und Rolf