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Libertad Verlag - Bücher der Freiheit und Solidarität
Bücher der Freiheit und Solidarität

Gelebte Anarchie - Der Anarchismus als Organisationstheorie

Gelebte Anarchie - Der Anarchismus als Organisationstheorie
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ISBN: 978-3-922226-32-1
GTIN/EAN: 9783922226321
Verlage: Libertad
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Gelebte Anarchie
Der Anarchismus als Organisationstheorie
Von Colin Ward.
Herausgegeben, aus dem Englischen übersetzt, mit einer Einleitung und Annotationen von Jochen Schmück.

Potsdam: Libertad Verlag, 2023. Paperback, ca. 264 Seiten, ISBN: 978-3922226321. Titel in Vorbereitung.

Beschreibung:

Colin Ward (1924-2010) war ein britischer Anarchist, Architekt und Schriftsteller. Seine Schriften beschäftigen sich mit den Themenbereichen der Soziologie, Anthropologie, Kybernetik, Pädagogik, Architektur und Stadtplanung. Er gilt als einer der einflussreichsten Wegbereiter eines neuen, pragmatisch verstandenen Anarchismus, den er in der Einleitung seines 1982 in zweiter erweiterter Auflage erschienen Werkes Anarchism in Action wie folgt begründete:

In den vielen Jahren, in denen ich versucht habe, als ein anarchistischer Propagandist zu wirken, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass wir unsere Mitbürger:innen für anarchistische Ideen vor allem dadurch gewinnen können, indem wir uns auf die gemeinsame Erfahrung der informellen, flüchtigen, sich selbst organisierenden Beziehungsnetze stützen, die die menschliche Gemeinschaft tatsächlich erst möglich machen, und nicht durch die Ablehnung der bestehenden Gesellschaft als Ganzes zugunsten einer zukünftigen Gesellschaft, in der eine andere Art von Menschheit in perfekter Harmonie leben wird.

Ursprünglich hatte ich den etwas sperrigen, aber genaueren Titel Anarchismus als Organisationstheorie bevorzugt, denn wie ich in meinem Vorwort betone, ist es genau dies, worum es in diesem Buch geht. Es geht nicht um Strategien für die Revolution und nicht um Spekulationen darüber, wie eine anarchistische Gesellschaft funktionieren würde. Es geht um die Art und Weise, wie sich Menschen in jeder Art von menschlicher Gesellschaft organisieren, unabhängig davon, ob wir diese Gesellschaften als primitiv, traditionell, kapitalistisch oder kommunistisch einstufen.

Einleitung des Herausgebers der deutschen Ausgabe
Einleitung zur zweiten Auflage
Vorwort
  1. Anarchie und Staat
  2. Die Theorie der spontanen Ordnung
  3. Die Auflösung der Führerschaft
  4. Harmonie durch Komplexität
  5. Akephale Zusammenschlüsse
  6. Wer ist für die Planung zuständig?
  7. Wir wohnen, Du wirst gewohnt, sie sind obdachlos
  8. Offene und geschlossene Familien
  9. Schulen wird es nicht mehr geben
  10. Das Spiel als anarchistische Parabel
  11. Eine selbstbestimmt Gesellschaft
  12. Der Zusammenbruch der Wohlfahrt
  13. Wie sehr kannst Du von der Norm abweichen?
  14. Die Anarchie und eine mögliche Zukunft
Literatur
Bibliografie der Schriften Colin Wards
 

Wir müssen Netze statt Pyramiden bauen!“

Colin Ward . . . galt fast ein halbes Jahrhundert lang als der wohl berühmteste britische Anarchist. Er war eine jener anarchistischen Persönlichkeiten, die libertären Argumenten und Einstellungen einen konstruktiven, praktischen und kreativen Charakter verliehen. Im Jahre 1973 publizierte Ward sein Hauptwerk Anarchy in Action. Es ist im Grunde genommen das Werk des Autors in dem Sinne, dass sich die Richtung seiner weiteren Arbeit und seiner lebenslangen Tätigkeit von dort ableitet. Aus übergreifender Perspektive des anarchistischen Denkens beschreibt Wards Ansatz sehr genau eine Position, die sich bemüht, konkret genug zu bleiben, um in der Lage zu sein, in realen Dimensionen und Möglichkeiten zu denken. (. . .)

Die Sichtweisen, die in Anarchy in Action darlegt werden, zeigen, wie der Autor die Aktualität seines Ansatzes versteht. Wards Ansatz ist nicht mit irgendeiner revolutionären Aktion verbunden, sondern weist auf andere Aspekte hin, die für den realen Anarchismus anwendbar sein könnten oder sollten. Wards Haltung selbst bedeutet eher Anarchismus im Alltag. Er bezieht sich auf historische Traditionen der Gesellschaft, die entweder völlig unterdrückt oder nur in den Hintergrund gedrängt wurden, sich wiederentdecken und wiederbeleben lassen. Der Autor weist auf bestimmte Merkmale hin, die sich in der heutigen Gesellschaft soziologisch nachvollziehen lassen: Verhältnis zum Staat, Elemente spontanen Verhaltens, Offenheit der Familien, Konfrontation von autoritärem und nicht-autoritärem Vorgehen, Verhalten von Organisationen und Institutionen. Und er hebt jene Merkmale hervor, die auf Bottom-up-Initiativen beruhen. (. . .)

So entwirft Colin Ward kein einziges Mal den Aufbau einer zukünftigen anarchistischen Gesellschaft, sondern untersucht die bestehende Gesellschaft in ihren Erscheinungsformen und ihren Prozessen. Und er notiert die Trends, die sich in der Gesellschaft durchsetzen – seien es die negativen und autoritären Tendenzen, oder seien es die positiven in Gestalt sich spontan selbstorganisierender Gemeinschaften, wie sie auch von anderen Autoren bezeugt werden. In diesem Sinne ist Wards Anarchismus der Anarchismus in Aktion, das heißt Anarchismus im wirklichen Leben mit seinen Möglichkeiten und Tendenzen (die zugunsten der Idee des Anarchismus verwendet oder durch allgemeine Ignoranz verschwendet oder durch Behauptung des Autoritarismus missbraucht werden können). Es ist Anarchismus, der auf den Möglichkeiten hier und jetzt basiert. Aber diese Möglichkeiten sind nicht nur in irgendeiner Weise gegeben, sondern sie sind zu beobachten, aus der Wirklichkeit als reale Potentialität abzulesen. (. . .)

Anarchy in Action, Colin Wards bekanntestes Werk, entstammt der Atmosphäre einer aktivierten Linken um die Wende der 1960er und 1970er Jahre. Es zeigt aber vor allem sehr charakteristisch die pragmatische Tendenz im anarchistischen Denken des 20. Jahrhunderts. Dieses Denken löst sich allmählich von utopischen Visionen und von unrealistischen Auffassungen der Gegenwart. Es verurteilt die Realität nicht allein deshalb, weil sie den eigenen Perspektiven nicht entspricht. Es versucht handlungsfähig zu werden und die gegebenen Verhältnisse als Raum zu nehmen, um libertäre Projekte durchzusetzen. Zugleich erlaubt sein empirischer Ansatz dem Autor, die Gedanken und Absichten anarchistischer Persönlichkeiten aus der Vergangenheit konstruktiv mit der Gegenwart zu verbinden.

Quelle: Václav Tomek: „Wir müssen Netze statt Pyramiden bauen!“. Colin Ward zum 10. Todestag: Leben und Werk eines pragmatischen Anarchisten, in: espero – libertäre Zeitschrift (Neue Folge), Nr. 1 (Juni), 2020, S. 59-92 (online).
 


In „Anarchy in Action“ legte Colin Ward seine Überzeugung dar, dass eine anarchistische Gesellschaft kein Endziel sein könne . . . Ward betrachtete alle fernliegenden Ziele als eine Form der Tyrannei und war überzeugt, dass anarchistische Prinzipien in den alltäglichen menschlichen Beziehungen und Impulsen zu finden sind“

Quelle: Guardian (UK)
 


Das Argument dieses Buches ist, dass eine anarchistische Gesellschaft, eine Gesellschaft, die sich ohne Autorität organisiert, immer schon vorhanden ist, gleich einem Samenkorn unter dem Schnee, begraben unter der Last des Staates und seiner Bürokratie, des Kapitalismus und seiner Verschwendung, des Privilegs und seiner Ungerechtigkeiten, des Nationalismus und seiner selbstmörderischen Loyalitäten, der religiösen Differenzen und ihres abergläubischen Separatismus. (. . .)

Colin Wards weitreichende Analyse stützt sich auf Beispiele aus den Bereichen Bildung, Wohnungsbau, Wohlfahrt, Stadtplanung, Umwelt, Arbeitsplatz, Familie und mehr und zeigt, dass die Wurzeln der anarchistischen Praxis nicht so fremdartig oder quixotisch sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, sondern genau in der Art und Weise zu finden sind, wie Menschen dazu neigen, sich selbst zu organisieren, wenn man sie nur lässt. Das Ergebnis ist sowohl eine leicht verständliche Einführung für diejenigen, die den Anarchismus noch nicht kennen, als auch ein Denkanstoß für diejenigen, die ihn zu schnell abtun.

Quelle: Telegraph (UK)