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Häuserkampf im Berlin der 1980er Jahre - Squatting in Berlin in the 1980

Häuserkampf im Berlin der 1980er Jahre - Squatting in Berlin in the 1980
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ISBN: 9783863681098
GTIN/EAN: 9783863681098
19,80 EUR
inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten


Häuserkampf im Berlin der 1980er Jahre
Squatting in Berlin in the 1980s

Von Lothar Schmid (Autor/Fotograf)

Berlin: Berlin Story Verlag, 2013. Deutsch und Englisch. Hardcover, 96 Seiten, 82 Abbildungen. ISBN 978-3863681098.

Beschreibung:

Lothar Schmid dokumentierte den Häuserkampf im Berlin der 1980er Jahre. Die Bilder erzählen, wie sich gegen die Kahlschlagsanierung im Kiez Widerstand organisiert. Sie zeigen aber auch die Verläufe der Konfliktlösung. Wie können Erfolge der damaligen Zeit heute verteidigt werden? Was lässt sich Ausverkauf und Event-Kultur entgegnen?

In den 1980ern ist Berlin eine geteilte Stadt. Der in Westberlin gelegene Bezirk Kreuzberg SO 36 ist auf drei Seiten von der Mauer umgeben und nicht nur geographisch an den Rand gerückt. Von Behörden, Stadtplanern, Eigentümern und Investoren werden die Gebäude aus der Gründerzeit um 1870 für wertlos erklärt. Die Objekte sind den Eigentümern unter anderem wegen der Mietpreisbindung für Altbauwohnungen nicht profitabel genug. Dringend notwendige Reparaturen und Instandsetzungen werden nicht durchgeführt. Verfall, Zerstörung und Entmietung bereiten den Abriss vor. Man will die autogerechte Stadt. Dafür soll die Oranienstraße zur Stadtautobahn und der Oranienplatz zum Autobahnkreuz umgebaut werden. Die Kreuzberger Mischung – Leben und Arbeiten im Kiez – soll abgeschafft werden. Luxusmodernisierungen, Abschreibungsprojekte wie das Neue Kreuzberger Zentrum am Kottbusser Tor und für die Bauherren hoch subventionierter sozialer Wohnungsbau wie in der Naunynstraße sind Lösungen mit hoher Rendite.

Besonders die Luisenstadt und der Wrangelkiez sind von der geplanten oder bereits erfolgten Kahlschlagsanierung betroffen. Zugemauerte, mit Stahltüren gesicherte, verfallende leer stehende Häuser, verbretterte Läden, düstere Straßen und vermüllte Brachen bestimmen das Bild. In Ruinen und Baugruben proben US-Soldaten den Krieg in den Städten.

Die mobileren, finanziell besser gestellten Bewohner und Gewerbetreibenden ziehen weg, andere werden in die am Stadtrand gelegenen Neubaugebiete des Märkischen Viertels oder der Gropiusstadt umgesetzt. Die alleinstehenden Alten harren in den maroden undichten Wohnungen ohne Bad mit Außenklo aus, beklagen die schwindenden Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten und haben Angst vor der Leere auf den Straßen und den Brandstiftungen in den Häusern. Auch die Studenten, Künstler, Lebenskünstler und Migranten bleiben in den billigen Wohnungen. Weitere kommen dazu, sie erhalten befristete Nutzungsverträge – bis zum Abriss oder bis zur Modernisierung. Auch einige alternative Betriebe richten sich prekär in den zunächst oft nicht beheizbaren, aber preiswerten Fabriketagen ein.

Der seit der Entstehung als Einwanderer- und Arbeiterbezirk und späterem Bohème-Viertel wirkende Mythos Kreuzberg hat nun neue Superlativen zu bieten: Höchster Ausländeranteil, höchste Arbeitslosigkeit, niedrigstes Pro-Kopf-Einkommen.

Gegen die Zerstörung gibt es in den betroffenen Gebieten bereits in den 1970ern vereinzelt Widerstand, der in den 1980ern zur Bewegung wird.

Squatting in Berlin in the 1980s - The Situation

Berlin is a divided city in the 1980s. The West Berlin district of Kreuzberg SO 36 is surrounded by the Wall on three sides, but is not only geographically relegated to the fringe. The Wilhelminian buildings, dating back to 1870, are deemed worthless by the authorities, town planners, proprietors and investors. Many factors, including rent control on old buildings mean that landlords consider the houses unprofitable. Urgent repairs and restoration are not being carried out. Dilapidation, ruination and the flight of tenants pave the way for destruction. The establishment wants an automotive city. To make this happen, Oranienstraße is to become a motorway and Oranianplatz a motorway intersection. Kreuzberg‘s mix as a living and working district is to be eradicated. Luxury modernisation projects which evade tax, like the Neue Kreuzberger Zentrum at Kottbusser Tor and heavily subsidised social housing schemes, as found on Naunynstraße, are solutions with good rates of return.

Luisenstadt and the so-called Wrangelkiez in particular are affected by the plans to regenerate the area that is, in part, already reality. Empty, dilapidated buildings and shops with their windows and doors boarded up, drab streets and derelict houses define the urban landscape. US soldiers practice war in the ruins and empty lots.

The more mobile, better-off occupants and traders move away, others are moved to the newly developed areas on the outskirts, like Märkisches Viertel and Gropiusstadt. The single elderly people stay and endure the ramshackle, leaking apartments with outhouses and no bathrooms, complaining about the dwindling shopping and living facilities, scared of the empty streets and fires being set in the houses. Also students, artists, migrants and those who, by necessity or choice can put up with the conditions, stay in the cheap apartments. Others join them, they are given short term tenancy agreements – valid until demolition or modernisation. A few alternative businesses precariously make use of the facilities which are, more often than not, without heating but cheap.

Famous from its origins as a migrant and working district and later on as a bohemian area, the myth of Kreuzberg reaches new extremes: the highest number of foreign residents, the highest rate of unemployment and the lowest per capita income.

There is already scattered opposition to demolition in the affected areas, which eventually turns into a movement in the 1980s.