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Tolstoi, Leo Nikolajewitsch

Leo Nikolajewitsch Tolstoi . geb.: 28. August 1828 auf dem Bauerngut und Landsitz „Jasnaja Poljana“ (Lichte Wiese), Gouvernement Tula (südlich von Moskau) als viertes von fünf Kindern des Grafen Nikolai I. Tolstoi und seiner Frau, der Fürstin Maria N. Tolstaja, geb. Wolkonskaja; gest.: 7. November 1910 (20. November neuen Stils), Bahnstation Astapowo.

Tolstoi als einen Anarchisten zu beschreiben, fällt nach der Analyse seiner Veröffentlichungen nicht schwer. Tolstoi selbst hat für für sich diese Bezeichnung nie verwendet. Im Gegenteil: Er stand der anarchistischen Bewegung, so wie er sie Ende des 19. Jahrhunderts auf Grund einer Welle terroristischer Aktionen, die mit Anarchisten in Zusammenhang gebracht wurden, wahrnahm, ablehnend gegenüber.

Tolstoi sucht andererseits aber auch das Gespräch mit Anarchisten. So etwa während seiner zweiten Europareise 1860/61, als er Alexander Herzen und Pierre-Joseph Proudhon in London und Brüssel besucht. 1881 nimmt er außerdem Kontakt zu der in Russland lebenden Familie von Michael Bakunin auf.

Tolstoi kennt die Schriften von Peter Kropotkin und Bakunin und für den 22. August 1907 lesen wir in seinem Tagebuch: „Kropotkin über Kommunismus gelesen. Gut geschrieben und gute Motivation, aber von verblüffender innerer Widersprüchlichkeit: Um die Gewaltherrschaft der einen über die anderen zu beenden, soll Gewalt angewendet werden. Die Aufgabe lautet, wie läßt sich dies bewirken, daß die Menschen nicht zu Egoisten und Gewalttätern werden. Nach ihrem Programm bedarf es zur Erreichung dieses Zieles neuer Gewalttaten“ (L. Tolstoi 1978, 3. Bd., 148).

Sein Verhältnis zur anarchistischen Bewegung und zu Anarchisten ist gespalten und hängt in erster Linie damit zusammen, dass sich Anarchisten in vielen Fällen bewusst nicht von revolutionärer Gewalt distanzieren und dies Tolstois Überzeugung einer nur gewaltfreien Verweigerung als Strategie widerspricht.

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